Technik ist die Magie im Onlinebusiness und mit KI gerade Magie auf Speed. Aber es ist auch ein Teil der dich wirklich Nerven kosten kann. Ein Onlinebusiness ohne Technik geht nicht – zumindest nicht wenn du wachsen willst und Teile deines Business Hands-off weiterlaufen sollen.
Da sind die Tools die nutzt deine Verbündeten, aber oft kommen wir – spätestens nach ein paar Jahren Onlinebusiness – an den Punkt, wo wir ein echtes Tool Problem haben. Das liegt nicht daran, das du die falschen Tools hast, sondern meistens daran, dass es zu viele sind, das sie nicht ordentlich zusammenspielen oder nicht „miteinander reden“.
Bedeutet: Du jonglierst verschieden Tools, beantwortest Nachrichten auf 4 Kanälen, kopierst manuell Daten und Termine hin und her und schaffst es nicht ordentlich zu automatisieren. Die IT Abteilung deiners Unternehmens (also du, wenn du als Soloreneurin unterwegs bist) ist ständig im Wartungsmodus oder am Feuerlöschen. Und in dieser Roller verbringst du viel mehr Zeit, als du wolltest und solltest.
Klingt das vertraut? Willkommen im Club. Was du gerade erlebst, hat sogar einen Namen. Es heißt Technostress – und der ist messbar und dokumentiert. Und es gibt ein paar gute Wege damit umzugehen. Lass‘ uns also schauen, worum es hierbei eigentlich geht und wie du die Technik wieder zu deinem Verbündeten machst.
Inhalt
Was Technostress wirklich ist
Technostress ist tatsächlich kein Trend-Begriff, sondern kommt aus der Forschung und beschreibt etwas sehr Konkretes: die Erschöpfung, die entsteht, wenn Technologie nicht mehr Werkzeug ist, sondern selbst zur Arbeit wird.
Im Alltag sieht das so aus: Du brauchst Kundendaten aus dem E-Mail-Tool. Von dort gehst du in die Tabelle. Von der Tabelle zum Kalender in der anderen App. Die Rechnung stellst du woanders aus. Eine Kundin schreibt per Telegram, eine per Zoom, eine per Mail.
Dein Gehirn springt den ganzen Tag zwischen gefühlt 1000 Fenstern hin und her (deine Browser-Tabs für anderes zählen wir jetzt hier noch gar nicht mit.)…. Das hat seinen Preis. Gloria Mark von der UC Irvine hat 2008 gemessen, wie lange es dauert, nach einem Systemwechsel wieder wirklich konzentriert zu arbeiten: im Schnitt 23 Minuten. Pro Unterbrechung.
Warum Solopreneure im Onlinebusinesses besonders betroffen sind
Im Angestelltenverhältnis gibt es Arbeitsteilung, jeder hat seine klar definierte Rolle. In deinem Onlinebusiness gibt es dich. Du bist gleichzeitig Kundenbetreuung, Buchhaltung, Marketing und IT-Support – und jede dieser Rollen bringt mindestens ein eigenes Tool mit. Solange du da nix eingerichtet hast, reden die einzelnen Tools in der Regel nicht miteinander. Also bist du die Kopiermaschine dazwischen. Manuell, täglich, mehrfach.
Was ich bei meinen Kundinnen immer wieder sehe: Sie organisieren sich zu Tode. Trello für Projekte, Notion für Kursinhalte, Google Sheets für Zahlen, Asana für Aufgaben, Slack für interne Kommunikation, Gmail für Mails, Calendly für Termine, Digistore und Copecart für Zahlungsabwicklung, ein Kursbereich…. wir sind bei 1,2,3,4,5,6,7,8,9 Tools und haben bestimmt noch nicht alle erwähnt. Für ein Ein-Frau-Business – nicht gerade wenig.
Und das bedeutet nicht das das chaotisch ist. Die meisten meiner Kundinnen sind da sehr sortiert und organisiert und haben ihre Tools im Griff. Trotzdem wird es irgendwann zu viel, wenn es mit der Zeit immer mehr Tools werden.
Was dich das jeden Tag kostet
Konzentration die flöten geht
Wenn du zehnmal täglich zwischen Systemen wechselst, was total realistisch ist, wenn du fünf oder mehr Tools im Einsatz hast, verlierst du täglich mehrere Stunden echte Arbeitszeit. Nicht durch Prokrastination. Durch pure technische Reibung. Der Kopf braucht einfach Zeit, um wieder anzukommen. Und dieses wieder reinkommen kostet dich wertvolle Konzentration.
Fehler die Vertrauen rauben
Je mehr Systeme parallel laufen, desto mehr kannst du potentiell übersehen. Eine Nachricht in einem Tool vergessen. Eine Terminerinnerung, die doch nicht rausging. Jeder dieser Fehler kostet Zeit für die Reparatur – und manchmal das Vertrauen einer Kundin.
Erschöpfung, die du nicht sofort spürst
Das Tückische am Tool-Chaos ist, dass die Erschöpfung schleichend kommt oder in Feuerlösch Wellen. Es ist nicht vordergründig das Problem und es ist etwas das du lange aushalten kannst. Darum kümmere ich mich, wenn ich mal Zeit habe – wenn der Launch rum ist, wenn die Website überarbeitet ist….. Doch dein Tools-Overwhelm kostet dich jeden Tag Zeit und Energie und dein Technostress sammelt sich an. Das ist eines der Strukturprobleme, die uns das Leben echt erleichtern können, wenn wir es angehen.
Was wirklich hilft: Konsolidieren, nicht optimieren
Das Gegenmittel zu Technostress heißt Konsolidierung. Nicht bessere Organisation mit noch mehr Tools, sondern weniger Tools.
Schritt 1: Bestandsaufnahme machen
Liste alle Tools auf, die du in einer durchschnittlichen Woche wirklich nutzt. Alle. Jedes Login, jede App, jede Plattform. Und dann noch die, die du hast, aber nicht nutzt. Das sind schnell richtig viele. Bei meinen Kundinnen im Schnitt 12 – 18 verschiedene Tools.
Mach das wirklich, denn nur wenn du das wirklich siehst, kannst du anfangen aufzuräumen.
Schritt 2: Hauptsysteme bewusst wählen
Für ein funktionierendes Onlinebusiness brauchst du:
- Ein System für Kundinnen und Termine
- Ein System für Mails und Nachrichten – eines, nicht drei
- Ein System für Zahlungen
- Ein System für Projektorganisation
- Eventuell noch eines für Content
Das sind fünf. Fünf ist machbar. Nicht perfekt, aber realistisch.
Schritt 3: Automatisierungen statt manuelle Übergänge
Tools wie Zapier oder Make können Daten zwischen Systemen weitergeben, ohne dass du als Kopiermaschine in der Mitte stehst. Eine automatische Benachrichtigung hier, ein Export dort – das reduziert Fehler und spart täglich Zeit, die du für echte Arbeit brauchst. Und natürlich ist jetzt mit KI noch ganz anderes möglich. Nutze auch das, aber bewusst. Den die Arbeit mit KI bietet tolle Möglichkeiten aber auch ganz neue Herausforderungen. Mehr dazu kannst du im Artikel KI & dein Nervensystem nachlesen.
Schritt 4: Immer wieder mal aufräumen
Schau dir immer mal wieder an, was du im Einsatz hast. Welche Plattformen nutzt du tatsächlich regelmäßig? Was hast du dir vor Monaten bei App-Sumo geschnappt und seitdem nicht angefasst? Kündigen. Löschen. Weg damit. Das ist kein einmaliges Aufräumen, sondern regelmäßige Pflege. Und kann dir auch Geld sparen, denn du solltest nur für Tools bezahlen, die du auch im Einsatz hast.
Pro Tipp: Ich weiß dein Alltag ist voll, aber es lohnt sich wirklich sich immer mal wieder die Zeit zu nehmen und zu schauen, was die Tools die so im Einsatz hast noch so können, das fängt bei Plugins deiner Website an (du brauchst nur eines das eine Sicherung macht, nicht 3) und geht bei deinem E-Mail Tool weiter. Oft haben deine Tools Funktionen, für die du woanders extra zahlst. Kennst du z.B. den Countdown Timer von Digistore? Den kannst du nutzen ohne dafür ein extra Tool anzuschaffen.
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Mehr InformationenHäufige Fragen
Ich brauche doch alle meine Tools, kann ich wirklich einfach kündigen? Wahrscheinlich nicht alle. Die meisten Onlineunternehmerinnen, die ich kenne, könnten drei bis vier Tools abschalten, ohne dass ihr Business irgendwas davon merkt. Was die meisten befürchten: alles bricht zusammen. Was tatsächlich passiert: alles wird einfacher.
In diesem Interview mit Onlinebusiness-Technik Expertin Christiane Lach nehmen wir das Thema welches Set-up du für ein entspannt erfolgreiches Onlinebusiness brauchst genauer unter die Lupe.
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Mehr InformationenWas ist der Unterschied zwischen Technostress und normaler Arbeitsbelastung? Bei normaler Arbeitsbelastung ermüdest du von der eigentlichen Arbeit. Bei Technostress ermüdest du von den Wegen zwischen der Arbeit – den Logins, den Übergängen, dem Suchen in verschiedenen Systemen. Es fühlt sich nach sinnloser Erschöpfung an. Du hast viel gemacht und trotzdem nichts geschafft.
Ab wann ist es „zu viel“? Wenn du täglich mehr als fünf verschiedene Tools brauchst, um dein Business zu führen. Wenn deine Kundinnen dich über vier verschiedene Kanäle erreichen können. Wenn du morgens 15 Minuten brauchst, um dich „einzuloggen“, bevor du anfangen kannst.
Kostet ein Tool-Wechsel nicht mehr, als er bringt? Der Wechsel selbst kostet einmal Zeit und Nerven, das stimmt. Aber Kontextwechsel kosten täglich Lebenszeit. Wenn du monatlich 40 Euro sparst, indem du ein ungenutztes Abo kündigst, aber dafür vier Stunden pro Woche verlierst – rechnet sich das schlicht nicht.
Hier hab ich auch ein Interview zum Thema Toolswechsel mit der Technikelfe Sarah Menzel-Berger für dich, das dir einen Einblick gibt.
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Mehr InformationenGilt das auch, wenn ich schon ein Projektmanagement-Tool nutze? Ja. Ein Projektmanagement-Tool hilft bei der Organisation innerhalb eines Systems – aber wenn daneben noch sieben andere Systeme laufen, löst es das Grundproblem nicht. Konsolidierung und Organisation sind zwei verschiedene Baustellen.
Wie geht Business-Wachstum ohne Überlastung
Tool-Chaos ist einer von mehreren Gründen, warum Onlineunternehmerinnen sich erschöpfen, obwohl die eigentliche Arbeit ihnen Spaß macht. Wie dein Business insgesamt so aufgebaut sein kann, dass Erschöpfung strukturell weniger wahrscheinlich wird, zeige ich in der Übersicht: Nervensystemfreundliches Onlinebusiness – was das wirklich bedeutet
Und wenn du wissen willst, wie du dein Business jenseits von Tools aufbaust – Angebote, Strukturen, Rhythmen, die wirklich zusammenspielen: Dafür gibt es den YEAH Business Letter. Jeden Donnerstag ein konkreter Impuls aus meiner Beratungspraxis, nicht aus dem Marketing-Lehrbuch. YEAH Business Letter abonnieren
Quellen
- Mark, G., Gudith, D. & Klocke, U. (2008): The Cost of Interrupted Work: More Speed and Stress. CHI 2008 Proceedings. (Online lesen)
- Uncapher, M. R. & Wagner, A. D. (2018): Minds and brains of media multitaskers: Current findings and future directions. PNAS. (Online lesen)
- Institut für Arbeitspsychologie, ETH Zürich: Forschung zu Technostress und digitaler Belastung. (Mehr lesen)



