Du weißt, dass du Nein sagen solltest. Du weißt es.
Und trotzdem hörst du dich Ja sagen. Wieder. Du antwortest auf die Nachricht, obwohl du eigentlich Feierabend gemacht hast. Du nimmst nochmal eine Kundin an, obwohl der Kalender eigentlich voll ist. Du sagst zu, obwohl du innerlich gerade echt keine Kapazität mehr hast.
Ein Disziplinproblem ist das nicht. Auch kein Thema, bei dem ein neues Gewohnheiten-System hilft.
Dein Nervensystem steckt in einem alten Muster fest und darum fällt dir das mit dem „Nein“ so schwer.
Darüber habe ich mit Annika Schauf gesprochen. Sie ist Coach mit therapeutischem Hintergrund, selbst ehemalige People Pleaserin und Burnout-Überlebende. Das Gespräch hat mir Dinge klar gemacht, die ich schon lange so gespürt hatte, aber selbst nicht so sauber formulieren konnte.
Hier kannst du dir das ganze Interview auf YouTube anssehen.
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Mehr InformationenInhaltsverzeichnis
- Was Grenzen und Nervensystem miteinander zu tun haben
- Die vierte Reaktion, die die meisten nicht kennen
- Warum du es weißt – und es trotzdem nicht machst
- Was das für dein Business bedeutet
- Der Zaun und das Türchen
- Zwei Impulse für den Alltag
- Häufige Fragen
Was Grenzen und Nervensystem miteinander zu tun haben
Mehr als man erstmal denkt.
Grenzen setzen und Nervensystemregulation hängen so eng zusammen, dass man kaum sagen kann, was Henne und was Ei ist.
Ein dysreguliertes Nervensystem führt dazu, dass wir unsere Grenzen übergehen, weil wir oft gar nicht merken, wo die Grenze eigentlich ist. Und das ständige Übergehen von Grenzen hält das Nervensystem in chronischem Stress. Was uns dann noch schwerer spüren lässt, wo unsere Grenzen sind.
Ein dummer Kreislauf.
Und um den zu druchbrechen, können wir quasi an beiden Seiten ansetzen und müssen erstmal wieder aufmerksamer mit uns und unserem Körper werden.
Die vierte Reaktion, die die meisten nicht kennen
Fight, Flight, Freeze, das kennen die meisten. Drei Stressreaktionen des Nervensystems, drei Antworten auf das, was sich nach Bedrohung anfühlt.
Was viele nicht wissen: Es gibt eine vierte. Überanpassung.
Das Reptiliengehirn, der älteste Teil unseres Gehirns, checkt ständig ab, ob die Situation sicher ist oder nicht. Und es kann nicht unterscheiden, ob das ein Tiger ist oder eine E-Mail, auf die man keine gute Antwort hat. Die möglichen Reaktionen: kämpfen, fliehen, einfrieren – oder sich einfach anpassen. Alles tun, was von einem erwartet wird, damit die Situation wieder ruhig wird.
Das ist People Pleasing. Als biologische Stressreaktion, die das Nervensystem automatisch abruft.
Und es ist eine Reaktion, die gerade bei Frauen besonders verbreitet ist, weil sie über Sozialisation tief eingeschliffen wird. Kennst du das Märchen von Frau Holle? Erinnere dich an die Goldmarie. Sie springt, sobald man ruft, und wird dafür mit Gold belohnt. Die Pechmarie bleibt mal liegen, ist „faul“ und bekommt Pech. Das sind die Bilder, mit denen wir aufgewachsen sind. Kein Wunder, dass das im System sehr tief sitzt.
Warum du es weißt, und es trotzdem nicht ändern kannst.
Ich kenne das so gut. Man hat alles gelesen, Podcasts gehört, das Konzept verstanden. Und sitzt sich selbst gegenüber, schaut dabei zu, wie man wieder Ja sagt, obwohl man Nein gemeint hatte.
Das liegt nicht daran, dass man es nicht wirklich will. Es liegt daran, dass diese Muster unterbewusst laufen. Superschnell, automatisch, bevor der Verstand überhaupt eingreifen kann. Das Reptiliengehirn hat entschieden, in Sekundenbruchteilen, lange bevor der bewusste Teil des Gehirns wach ist.
Wir können das nicht vom Kopf her lösen. Denn wir wissen es zwar, aber es anders zu machen scheint trotzdem irgendwie unmöglich. Wie ein Gummiband, dass uns immer wieder zurückzieht. Das ist kein persönliches Scheiter, dass ist schlicht und einfach Physiologie.
Was hilft: Den Automatismus unterbrechen. Einen Pause-Moment einbauen, in dem der bewusste Teil des Gehirns doch noch einsteigen kann. Und neue Erfahrungen machen. Leichter geht das, wenn wir es nicht allein schaffen wollen, denn Ko-Regulation kann hier wirklich etwas tut. Denn unser Nervensystem reagiert darauf, wenn unser Gegenüber ruhig ist. Das hiflt uns selbst ruhiger zu werden.
Was das für dein Business bedeutet
Jetzt wird’s interessant, weil hier eine Verbindung liegt, di zu oft übersehen wird.
Unklare Grenzen in deinen Angeboten schaffen Unsicherheit. Und Unsicherheit ist Stress – für beide Seiten. Für dich und deine Kund*innen.
Wenn nicht klar geregelt ist, wann es Support gibt, wie schnell du antwortest, über welchen Kanal, was zum Angebot gehört und was nicht, dann können deine Kundinnen nicht wissen, was sie erwarten dürfen. Das macht sie unsicher. Und ein Mensch, der sich unsicher fühlt, lernt schlechter. Verändert sich schwieriger. Bleibt nicht so tief im Prozess wie es oft nötig wäre, damit sich wirklich etwas verbessern kann.
Klare Grenzen im Angebot sind also keine Unhöflichkeit gegenüber Kundinnen. Sie sind richtig guter Service!
Und für dich als Anbieterin: Wer keine klaren Grenzen hat, liefert mehr als vereinbart und weiß trotzdem oft nicht, ob es genug war.
Das kostet Energie auf beiden Seiten. Klarheit innen bringt Klarheit außen.
Als Anbieterin führst du. Du bist diejenige, die die Spielregeln macht. Wenn du das nicht tust, weiß niemand, wie das Spiel geht. Und das fühlt sich dann einfach nicht gut an.
Der Zaun und das Türchen
Grenzen setzen bedeutet nicht, dass man nie Ausnahmen macht.
Es bedeutet, dass es erst mal einen Zaun gibt. Und dann kann bewusst entschieden werden, wann man das Türchen aufmacht, und wann nicht.
Wer keinen Zaun hat, hat auch kein Türchen. Da ist einfach grüne Wiese. Niemand weiß, wo die Grenze ist und du fühlst dich mies, weil ständig über deine Grenze getrampelt wird. Dabei hast du nie einen Zaun aufgestellt. Vielleicht hiflt dir das Bild das mit dem Grenzen setzen im Business nochmal neu für dich einzuordnen.
Zwei Impulse für den Alltag
Der Pause-Moment.
Wenn du merkst, dass du zu schnell Ja sagst: „Ich melde mich gleich nochmal“ – auflegen oder Gespräch beenden, und dann erst checken: Kann ich das gerade leisten? Will ich das überhaupt?
Dieser Satz kann als innerer Automatismus abgespeichert werden, der den alten Automatismus unterbricht. Du brauchst gar nicht drüber nachzudenken, sondern lenst auswendig, dass du erstmal sagt, ich denk drüber nach, melde mich gleich nochmal. Der Satz muss einfach bereit sein, damit du gar nicht nachzudenken brauchst.
Die Stopp-Übung.
Physisch: Hinstellen, Arme nach vorne ausstrecken: Stopp. Zur Seite: Stopp. Nach oben: Stopp. Den eigenen Raum abstecken. Zwei Minuten.
Klingt simpel. Tut aber tatsächlich was, weil der Körper auf einer anderen Ebene das Signal bekommt: Ich habe eine Grenze. Sie darf da sein.
In diesem Video zeigt Annika die Stopp-Übung.
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Mehr InformationenIch mache selbst eine ähnliche Übung, sie kommt aus dem Yoga, heißt Kavacham, und ist im Grunde dasselbe Prinzip: den Raum beanspruchen, was zu nah kommt wegschieben. Körperlich, nicht nur gedanklich. Und es hilft.
Hier gibts auch dazu ein Video:
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Mehr InformationenHäufige Fragen
Warum fällt Grenzen setzen so schwer, obwohl ich theoretisch weiß, dass ich es tun sollte? Weil Wissen und Handeln im Gehirn in verschiedenen Systemen laufen. Das Reptiliengehirn reagiert schneller als der denkende Teil – und es kennt nur: Situation sichern. Grenzen setzen fühlt sich für das System oft unsicher an, weil wir gelernt haben, dass Anpassung soziale Sicherheit bedeutet. Man kann das nicht mit mehr Wissen lösen. Man muss den Automatismus auf der Körperebene unterbrechen.
Was hat People Pleasing mit dem Nervensystem zu tun? Überanpassung ist eine biologische Stressreaktion – nicht anders als Kampf, Flucht oder Einfrieren. Das Nervensystem wählt die Reaktion aus, die am sichersten erscheint. Für viele Frauen ist das jahrzehntelang Anpassen gewesen. Das System kennt nichts anderes. Das ist keine Schwäche – das ist ein Muster, das sich eingeschliffen hat.
Wie setze ich Grenzen im Business, ohne Kundinnen zu vergraulen? Klarheit ist ein Dienst an Kundinnen, keine Unhöflichkeit. Wenn du definierst, wann du erreichbar bist, was zum Angebot gehört und wie der Support aussieht, fühlen sich Kundinnen sicherer – nicht weniger betreut. Unklar geführte Angebote erzeugen Unsicherheit auf beiden Seiten. Wer klare Spielregeln kennt, kann sich entspannter darauf einlassen.
Kann man lernen, Grenzen zu setzen – oder ist das eine Persönlichkeitsfrage? Es ist keine Persönlichkeitsfrage. Annika Schauf – selbst ehemalige People Pleaserin – ist ein gutes Beispiel dafür: Was sich wie Charakter anfühlt, ist oft ein Muster. Und Muster lassen sich verändern, wenn man sie auf der richtigen Ebene angeht. Mit Begleitung geht das schneller, weil Ko-Regulation dabei wirklich eine Rolle spielt.
Was mache ich, wenn ich eine Grenze gesetzt habe – und die Kundin reagiert darauf? Zuerst: Das ist normal. Nicht jede Reaktion ist Ablehnung, auch wenn sie sich so anfühlt. Hilfreich ist der Zaun-und-Türchen-Gedanke: Du entscheidest, ob du eine Ausnahme machst – aber du machst sie bewusst. Nicht weil Druck kommt, sondern weil du es für richtig hältst. Das ist ein grundlegend anderes Gefühl.
Was als nächstes hilft
Wenn du merkst, dass Grenzen setzen ein Thema ist, in deinem Business aber noch weitere Baustellen sind, die dich echt stressen, dann schau dir gerne mal den Artikel zum Nervensystemfreundliches Onlinebusiness
an. Denn wenn wir die Zusammenhänge verstehen, fällt es uns oft leichter an den richtigen Stellschrauben zu drehen. Das ist so wenn es um unser Nervensystem geht, aber auch wenn um Business Wachstum geht.
Denn ich will Wachstum, ohne Überlstung – und wenn du hier gelandet bist, du wahrscheinlich auch. Ein erster Schritt dahin kann sein, mal zu prüfen, ob du an den richtigen Hebeln drehst, oder gerade sehr viel Zeit und Energie verschleuderst und dir ausversehen ein Burnout Business afbaust.
Dafür hab ich was für dich: Der Selbstcheck „7 Hebel für entspanntes Wachstum“ hilft dir dabei, herauszufinden welche Stellschrauben DEIN Business JETZT leichter machen.




